Das VBZ-Tram und der Shitstorm

Immer öfter stolpert man heutzutage über den Ausdruck „Shitstorm“. Dieser aus dem Englischen entlehnte Begriff wurde vom deutschen Blogger Sascha Lobo in einem Vortrag an der re:publica 2010 folgendermassen definiert:

der Prozess […], wenn in kurzem Zeitraum eine subjektiv grosse Anzahl von kritischen Äusserungen getätigt wird, von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt wird (Lobo, Vortrag re:publica, 14. April 2010).

Anders formuliert sieht sich bei einem Shitstorm laut Schindler und Liller (2011, S. 162) „ein Unternehmen online einem wahren Sturm der Entrüstung, Empörung und des Protestes ausgesetzt“.

Der Ausdruck „Shitstorm“ wurde übrigens im Jahr 2011 von einer Jury zum Anglizismus des Jahres ausgezeichnet.

Ein aktuelles Beispiel für ein Unternehmen, das in einen solchen Shitstorm geraten ist, war gestern, dem 21. Februar 2012 im Tagesanzeiger zu lesen. Seit kurzem ist ein Tram der Linie 11 als fahrendes Werbeplakat für Sunrise unterwegs. Sowohl aussen als auch innen präsentiert sich das sonst in blau-weiss gehaltene Züri-Tram in den orange-rot-gelben Sunrisefarben. Auf der Facebookseite der VBZ Züri-Linie lassen nun aber viele Nutzer ihrer Entrüstung freien Lauf und empören sich ob der viel zu aufdringlichen Werbung, der sie sich ausgesetzt fühlen.

(Bild: onlinepc.ch)

Innerhalb kurzer Zeit mehren sich die negativen Beiträge und arten laut dem bereits erwähnten Tagesanzeigerartikel auf dem sozialen Netzwerk Facebook in einen Shitstorm aus. So wird das Tram zum Beispiel als das „hässlichste Tram Zürichs“ beschimpft oder als „unter aller Sau“. Solche Äusserungen illustrieren sehr anschaulich, dass sie sich, wie Lobo erwähnte, von einem Thema loslösen und bald nur noch beleidigend sind. Natürlich sind aber zwischendurch auch positive Rückmeldungen von Usern zu lesen, die sich über die farbigen Trams freuen.

Positiv fällt auf, dass sich die VBZ auf Facebook selbst regelmässig zu den Kommentaren von Usern äussert und offen zu der Kritik Stellung nimmt. Sie versucht die Entrüsteten zu besänftigen, indem sie betont, dass sich solche grossflächige Werbung nur auf fünf Trams in Zürich beschränke und dass die VBZ der Erhaltung des Stadtbildes immer noch grosse Bedeutung zuschreibe. Ausserdem will man mit solchen Werbeeinnahmen die ÖV-Preise möglichst stabil halten.

Ob die Zürcher Trams nun farbig oder schlicht blau-weiss sind, letztendlich geht es immer noch darum, dass man jederzeit bequem und im Trockenen von A nach B gelangt.

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