Slacktivism – Sind Couch Potatoes die neuen Revolutionäre?

Spätestens seit der viralen Verbreitung des Videos „KONY 2012“ ist der Ausdruck „Slacktivism“ immer häufiger zu hören. Slacktivism ist ein Kofferwort, das sich aus den beiden englischen Wörtern „Slacker“ (Faulenzer) und „Activism“ zusammensetzt. Das Phänomen ist auch unter dem Begriff „Clicktivism“ bekannt und beschreibt laut Jakob Steinschaden

Menschen, die sich über Symbole mit einem sozialen Anliegen identifizieren, aber darüber hinaus nichts oder nur sehr wenig für die Lösung des Problems tun.

So klickt man zum Beispiel bequem von zuhause aus den „Like“-Button auf Facebook zum Thema „Gegen Atomkraft“ und schon ist man Teil einer Bewegung und hat sein Gewissen beruhigt, weil man etwas gegen Atomkraft „getan“ hat. Oder man teilt ein politisches Anliegen mit der Twittergemeinschaft und von heute auf morgen ist man ein Aktivist, der sich für die Demokratie in arabischen Ländern einsetzen will.

(Bild: Insert Joke Here)

Jedoch sieht die Realiät meist etwas anders aus, wie das Beispiel von „Wir wollen Guttenberg zurück“ zeigt. Laut einem Artikel auf Spiegel Online klickten über 500’000 Facebook-User den „Like“-Button, um zu zeigen, dass sie mit Guttenberg sympathisieren. Als es jedoch darum ging, die Leute von den Sofas auf die Strasse zu Demonstrationen für Guttenberg zu locken, schien der vermeintliche Aktivismus plötzlich verschwunden. Wie Spiegel Online weiter berichtet liessen sich die Hunderttausenden virtuellen Aktivisten nicht auf die Strasse holen; es erschienen gerade mal Hunderte, wenn überhaupt.

Die Macht der sozialen Medien wird auch immer wieder im Zusammenhang mit der arabischen Revolution diskutiert. Oft hat man gehört, dass dank Social Media endlich die Revolution stattgefunden hat. Die Zahlen auf S. 27-29 des Arab Social Media Reports von 2011 zeigen jedoch ein ganz anderes Bild. In Ägypten waren 2011 gerade mal 7.66% der Bevölkerung auf Facebook aktiv und lediglich 0.15% auf Twitter. Auch in Libyen war nur ein geringer Teil des Volks auf diesen zwei sozialen Medien aktiv (Facebook: 1.08%, Twitter: 0.96%). Ein so kleiner Prozentsatz der Bevölkerung ist sicherlich nicht im Stande, einen Diktator zu stürzen. Es ist aber festzuhalten, dass auch Social Media einen kleinen Teil zur Revolution beigetragen kann, wie ein Artikel auf NZZ Online aussagt.

Um nochmals auf das Beispiel Guttenberg zurückzukommen: die Tatsache, dass sich nur ein Bruchteil der angeblichen Anhänger an einer Demonstration beteiligt ist natürlich ernüchternd und unterstreicht nochmals das Phänomen Slacktivism. Als Unternehmen muss man sich nun fragen, ob all die virtuellen Fans auf Facebook tatsächlich von den Produkten überzeugt sind oder ob sie nur per Zufall darauf gestossen sind und mal eben, weil es so einfach ist, den Knopf mit dem „Daumen-hoch“-Icon anklicken. Die Fans auf Facebook oder die Anzahl Followers auf Twitter sind daher sicher mit Vorsicht zu geniessen. Fest steht jedoch, dass all jene, die auf sozialen Plattformen ein bestimmtes Unternehmen oder eine Gruppe erwähnen, Werbung für ebendieses machen, egal ob sie die Produkte nun selber kaufen oder einfach nur liken.

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