Wenn Fans das Ruder übernehmen

Grossverteiler Coop ist im Gegensatz zur direkten Konkurrentin Migros im Bereich Social Media Marketing alles andere als gut positioniert. Einen offiziellen Auftritt bei Facebook gibt es offensichtlich nicht, mal abgesehen von demjenigen der Coop-Zeitung. Immerhin schafft eine Fangruppe Abhilfe. Und Twitter? Hier ist Coop zwar offiziell vertreten, allerdings lassen die derzeit 346 Followers doch eher zu wünschen übrig. Zum Vergleich: Der Migros folgen immerhin knapp 5000 Personen und der Twitter-Auftritt zeigt sich professioneller als der halbfertig wirkende Account von Coop. Dieser Umstand, die Passivität Coops gegenüber Social Media ist einigen Coop-Fans, den sogenannten „CoopKindern“, ein gewaltiger Dorn im Auge und sie legen Hand an. In Twitter haben die „CoopKinder“ bereits fast dreimal soviele Followers wie die Marke ihrer Herzen. Sie begründen Ihren Auftritt wie folgt:

ℹ Von CoopKind℠ zu CoopKind – zwangsläufig – da #Coop auf SoMe inexistent ist.

Der Beschreibung der Facebook-Seite von „CoopKinder“ können zudem folgende Absichten entnommen werden:

Coop Konsumenten helfen Coop Konsumenten über die aktuellen Social Media Plattformen. Bedauerlicherweise vernachlässigt Coop diese Möglichkeit der Interaktion mit den Konsumenten. Wir geben hilfreiche Tips und Antworten, basierend auf Coop Publikationen, Webseiten oder persönlicher Erfahrung.

Ist das wirklich wahr? Ein paar Fans, die sich in ihrer Freizeit dermassen für eine Marke einsetzen und dabei gar keine kommerziellen Interessen verfolgen? Wenn man den „CoopKindern“ glauben schenken will, ja. Spricht doch das Motto „im Namen der Marke, ohne Auftrag“ klare Worte. Ausserdem äussert Michael Rueetschli, Projektleiter bei den SBB und Initiator der „CoopKinder“-Community in seinem Vortrag an der Social Mediakonferenz 2012 in Zürich (bei „coUNDco“ als Video verfügbar) den Wunsch aus, selbst mit Coop in Kontakt zu treten. Zudem würden sich die „CoopKinder“ als „Spielwiese“ sehen. Tatsächlich ziehen sie dort alle Register und setzen diverse Bots und Apps ein. Gegenüber dem „Tages-Anzeiger“ bestätigt denn auch Coop das Bild der sich aufopfernden Fans: man wolle sich nicht einmischen und beobachte die Entwicklung mit Interesse.

Die CoopKinder auf Twitter (Screenshot: http://twitter.com/#!/CoopKinder)

Die CoopKinder auf Twitter (Screenshot: http://twitter.com/#!/CoopKinder)

Dennoch bleiben Zweifel. So fragt der Online-Stratege Florian Wieser auf dem Blog der Agentur für Werbung und Marketing „coUNDco“ reichlich provokativ, ob die „CoopKinder“ denn „OberNutten“ wären und spielt damit auf die geschickt umgesetzte Marketing-Kampagne an, bei der bekanntlich erst im Nachhinein bekannt wurde, dass nicht der Gemeindepräsident Obermuttens, sondern eine renommierte Agentur dahintersteckte. (Obermutten war übrigens schon hier und hier in unserem Blog Thema.) Auf dem Blog von Su Franke stellten jedenfalls einige Kommentierende dieselbe Frage, worauf die „CoopKinder“ prompt reagierten:

Wir handeln nicht im Auftrag von Coop.
Wir arbeiten in keiner Agentur, noch möchten wir eine Gründen.
Wir sind Fans von Coop und finden es – wie schon oft erzählt schade, dass wir und ihr nicht mit Coop in Dialog treten könnt.

Lassen wir uns also überraschen. Sind es wirklich nur Fans, die quasi unentgeltlich die Social Media-Arbeit von Coop übernehmen? Oder sind es vielmehr Marketing-Experten, weche die Lücke für eigene Experimente nutzen und sich auf einer Spielwiese austoben? Oder ist eben doch eine Agentur dahinter, welche im Auftrag von Coop handelt?

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